Vom Wert der Freundschaft
Von Dr. phil Rudolf Walter | vom 05.09.2008
Was nichts kostet, ist nichts wert, das ist die Maxime einer durchökonomisierten Gesellschaft. Aber es gibt Dinge, die nicht mit Geld zu bezahlen und zum Schnäppchenpreis nicht zu haben sind. Freundschaft gehört dazu.

Das Leben ist leichter mit anderen. Wir brauchen Menschen, die ähnliche Interessen, ja vielleicht sogar die gleichen Probleme haben wie wir. Freunde fürs Leben müssen sie noch nicht sein. Es gibt „Freunde“ und „gute Freunde“. Ein Zechkumpan ist noch kein Freund und Geschäftsfreundschaften
zerbrechen leicht, wenn die Interessen nicht mehr die gleichen sind. Und Menschen, die in unserer Nähe sind, müssen uns noch nicht nah sein.
Zur Freundschaft gehören Verbindlichkeit
und (nicht unbedingt räumliche) Nähe, positive Resonanz für meine Seele. Freundschaft ist eine der Quellen, aus der wir schöpfen können, damit unser Leben gelingt.
Freunde seien Gottes Entschuldigung
für die Familie, hat jemand gesagt. Daran stimmt: Freunde sind frei gewählt, nicht naturgegeben. Aber gemeinsam haben sie, im besten Fall, mit der Familie doch etwas: Sie ermöglichen
Intimität, Vertrautheit. Hier muss ich keine Rolle spielen, ich darf sein, wie ich bin – und bin akzeptiert. Freunde hören nicht nur, was sie hören wollen, sondern was ich sagen will. Sie sagen unangenehme Wahrheit, wenn es nötig ist. Jeder braucht das. Gerade in einer Zeit, in der intakte Familien nicht selbstverständlich sind, sind nicht nur die auf Flexibilität und Mobilität angelegten „modernen Stadtnomaden“ auf neue Beziehungen angewiesen. Freundschaften sind feste Knoten im weitmaschiger gewordenen sozialen Netz. „Ein Freund wird als Bruder geboren“, sagen die Araber. Freundschaft ist ein Tätigkeitswort. Das gibt es wirklich: Freunde lassen einen
alleinstehenden Freund nicht im Stich, als der einen Schlaganfall hat und seinen
Beruf nicht mehr ausüben kann, kümmern sie sich reihum – über Jahre. Einer ist in Not, Freunde helfen ihm,
nicht nur mit guten Worten.
Aber nicht nur in der Not erkennt man sie, auch in guten Tagen. Sie beneiden uns nicht ums Glück und freuen sich ehrlich mit uns mit. Stimmt also: Was nichts kostet ist nichts wert? Ja und nein. Freunde, die man kaufen kann, sind das Geld nicht wert. Freundschaft kostet trotzdem etwas: Zeit, Treue und Pflege. Und das ist sie auch wert.





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