Der Wert der Freiheit – Wert-frei?
Von Dinesh Bauer | vom 05.09.2008
„Allons enfants de la Patrie, le jour de gloire est arrivé… aux armes citoyens! Formez vos bataillons! Marchons, marchons…“ Wer kennt Sie nicht die „Marseillaise“, die französische Nationalhymne? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - diese zentralen Forderungen der französischen Revolution prägen noch heute unseren postmodernen Freiheitsbegriff. Doch worin besteht der Wert der Freiheit?
"Freiheit wagen - Werte leben": so heißt es in den Sonntagsreden von Politikern jeglicher Couleur, die sich mit Vorliebe als Garant derselbigen gerieren. Keine politische Partei, keine soziale Bewegung, keine konfessionelle Gruppe kommt heute am Bekenntnis zu einer – wie schwammig auch immer definierten – Art von Freiheit vorbei. Jeder hat dabei seinen eigenen Begriff von Freiheit zur Hand – und im Zweifel müssen Freiheiten gegeneinander abgewogen werden. Was auch immer das bedeuten soll.
Jede Kultur, jede Epoche kennt ihren eigenen, mehr oder weniger komplexen Begriff von Freiheit: im Liberalismus wurzelt er in der individuellen Freiheit, der persönlichen Handlungs- und Meinungsfreiheit. Im Anarchismus wird die Frage nach dem Verhältnis von Macht und Freiheit thematisiert. Hier steht der Begriff der Herrschaftsfreiheit, der Selbstbestimmtheit im „Freiheitsfokus“. Der Konservativismus setzt dem Freiheitsbegriff Schranken: Schranken der Moral, der Konvention, der Ethik. Ähnliches gilt für Christentum, und Islam, ja alle religiös motivierten Strömungen. Für den Gläubigen gilt die Maxime: Gott macht den Menschen frei. Und im Sozialismus? Hier steht die kollektive Freiheit einer bestimmten Kaste, beispielsweise der „arbeitenden“ Klasse im Vordergrund, weniger die Freiheit des Einzelnen. Und nationalistische Denker verherrlichen gerne „die Freiheit der Volksgemeinschaft“.
Was also ist Freiheit? Ist Freiheit nur noch eine ideologische, sinnentleerte Phrase? Oder wird das 21. dank unbegrenzter Informationsfreiheit zum „Jahrhundert der Freiheit"?
Anstöße zur Freiheit:
Wie schmeckt Freiheit? Freiheit schmeckt nach Minze mit ein wenig Honigmelone und duftet dabei nach Meersalz und Wiese – weiß eine Berliner Werbeagentur…
Was ist die Freiheit rein rechnerisch wert? § 7 Abs. 3 des Strafentschädigungsgesetzes legt fest: „Für den Schaden, der nicht Vermögensschaden ist, beträgt die Entschädigung elf Euro für jeden angefangenen Tag der Freiheitsentziehung.“
Was schreibt der Apostel Paulus den Galatern zum Thema? "Für die Freiheit hat uns Christus befreit, darum lasst euch nicht wieder unter ein Joch der Knechtschaft bringen.“
Für Immanuel Kant ist Freiheit eine Frage der Vernunft: „Niemand kann mich zwingen, auf seine Art glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer, einem gleichem Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, nicht Abbruch tut.“
Der britische Philosoph und Nationalökonom John Stuart Mill räumt der Freiheit in seiner Schrift „On Liberty“ den höchsten Rang ein: „…dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten.“
Und Bei Rosa Luxemburg heißt es kurz und bündig: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern."
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